Das Abmoosen ist eine faszinierende Technik, um aus einem bestehenden Baum einen neuen Bonsai (oder sogar zwei) zu gewinnen. Sie eignet sich besonders, wenn ein Baum einen unattraktiven Stammfuß (Wurzelansatz) hat oder wenn man aus einem langen, geraden Stamm einen kompakten, gut proportionierten Bonsai formen möchte.
Im Folgenden findest du eine leicht verständliche Anleitung mit Bildhinweisen.
Was ist Abmoosen
Abmoosen ist eine vegetative Vermehrungsmethode, bei der ein Teil des Stammes oder Astes dazu angeregt wird, eigene Wurzeln zu bilden, während er noch mit dem Mutterbaum bzw. der Mutterpflanze verbunden ist. Sobald genügend Wurzeln entstanden sind, kann der neue Baum bzw. Ast abgetrennt und eingepflanzt werden.
Materialien, die du benötigst
- Scharfes Messer
- (Sphagnum-)Moos (lebend oder getrocknet)
- Folie
- Bindedraht oder Kabelbinder
- Wurzelhormon (optional)
- Wasser
Fall dir das entsprechende Werkzeug fehlt, schau dir gerne meinen Artikel an über Erstausrüstung für Bonsai-Anfänger – Was du wirklich an Werkzeugen brauchst um mit dem Hobby zu beginnen
Der richtige Zeitpunkt
Der ideale Zeitpunkt zum Abmoosen ist Frühling bis Frühsommer, wenn der Baum im vollen Saft steht. In dieser Phase ist die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Wurzelbildung am höchsten.
Schritt 1: Die richtige Stelle auswählen
Wähle eine Stelle am Stamm oder Ast, die später die Basis deines neuen Bonsais bilden soll. Achte darauf, dass:
- der Stamm dort eine schöne Form hat
- genügend Blattmasse oberhalb vorhanden ist
- die Stelle nicht zu nah an einer Verzweigung liegt
Schritt 2: Die Rinde entfernen
- Schneide zwei parallele Ringe um den Stamm, etwa 1–2 cm voneinander entfernt.
- Verbinde die Schnitte vertikal und entferne die komplette Rindenschicht.
- Kratze vorsichtig das Kambium ab, damit sich die Stelle nicht wieder schließt.
Dieser Schritt ist entscheidend: Nur wenn der Saftfluss wirklich komplett unterbrochen ist, bildet der Baum, wie gewünscht, neue Wurzeln.

Was ist das Kambium?
Das Kambium ist eine ganz dünne, lebende Schicht direkt unter der Rinde eines Baumes. Man kann es sich wie eine Wachstumszone vorstellen.
- Es produziert neue Holzschichten nach innen
- und neue Rindenschichten nach außen
Ohne Kambium würde ein Baum nicht dicker werden und keine Wunden schließen können.
Beim Abmoosen ist es wichtig, das Kambium an der richtigen Stelle sorgfältig zu entfernen, damit der Baum dort neue Wurzeln bildet, statt einfach wieder Rinde wachsen zu lassen.
Optional: Einen Drahtring anlegen
Einige Bonsai-Enthusiasten legen unterhalb der abgerindeten Zone einen dünnen Drahtring an. Dieser wird leicht festgezogen, sodass er den Saftfluss zusätzlich einschränkt.
Warum das hilfreich sein kann:
- Der Draht verhindert, dass sich das Kambium an der Schnittstelle wieder schließt.
- Er sorgt dafür, dass der Baum noch stärker dazu angeregt wird, neue Wurzeln oberhalb des Rings zu bilden.
- Besonders bei Arten, die zum „Überwallen“ neigen (z. B. Ahorn), kann dies die Erfolgsquote erhöhen.
Wichtig ist, den Draht nicht zu fest anzuziehen, damit er den Stamm nicht beschädigt, sondern nur leicht einschnürt.
Schritt 3: (Sphagnum-)Moos anbringen
- Befeuchte das Sphagnum-Moos gründlich.
- Forme einen lockeren Ball und lege ihn um die freigelegte Stelle.
- Das Moos sollte gut anliegen, aber nicht zu fest gepresst sein.

Sphagnum hält Feuchtigkeit und wirkt leicht antibakteriell – ideal für die Wurzelbildung. Ich empfehle vor allem Anfängern den Einsatz von Sphagnummoos (Affiliate-Link) für die Technik des Abmoosens. Grundsätzlich kann eine Abmoosung aber auch mit gesammeltem Moos gelingen.
Das Spagnummoos, kannst du neben dem Abmoosen eines Bonsais auch für andere Techniken einsetzen, z.B. bei Root-over-Rock: So lässt du deinen Bonsai eindrucksvoll über einen Stein wachsen.
Optional: Einsatz von Wurzelhormonen beim Bonsai Abmoosen
Wurzelhormone können das Abmoosen deutlich erleichtern. Sie helfen besonders bei Arten, die nur langsam neue Wurzeln bilden. Beim Abmoosen eines Bonsai fördern sie die Zellteilung und unterstützen die Bildung feiner Wurzeln.
Ein dünner Film Bewurzelungspulver oder Bewurzelungsgel auf der angeritzten Rinde reicht aus. So lenkst du die Energie des Baumes in die Wurzelbildung. Wichtig ist, das Hormon gleichmäßig aufzutragen. Danach drückst du das feuchte Sphagnum (Weißtorfmoos) gut an. Dadurch entsteht ein stabiles, feuchtes Umfeld für neue Wurzeln.
Vorteile von Wurzelhormonen beim Abmoosen
- fördern die Zellteilung
- beschleunigen die Wurzelbildung
- verbessern die Bewurzelungsrate
Ich nutze beim Abmoosen das Clonex Rooting Gel (Affiliate-Link). Es eignet sich auch für Verbesserungen des Wurzelansatzes (Nebari) und für Stecklinge aus Schnittabfällen.
Schritt 4: Mit Folie umwickeln
- Wickle Folie um das Moos, sodass ein geschlossener „Beutel“ entsteht.
- Fixiere die Enden mit Draht oder Kabelbindern.

Transparente vs. nicht transparente Folie – Vor- und Nachteile
Transparente Folie hat den großen Vorteil, dass du die Wurzelbildung jederzeit beobachten kannst, ohne das Paket zu öffnen. Das hilft dir als Anfänger, den perfekten Zeitpunkt zum Abtrennen zu erwischen und die Feuchtigkeit besser einzuschätzen. Allerdings kann sich transparente Folie in der Sonne stärker aufheizen, was empfindliche Arten stresst.
Nicht transparente Folie schützt die Abmoosstelle besser vor Licht und Hitze, was besonders im Sommer oder bei direkter Sonneneinstrahlung sinnvoll ist. Dafür kannst du den Fortschritt nicht sehen, ohne das Paket zu öffnen, was das Risiko erhöht, die Feuchtigkeit zu stören oder zu viel Luft hereinzulassen. Ich empfehle dir nicht-transparente Folie zu verwenden und gegebenenfalls mehrfach den Folienbeutel zu öffnen und dir den Fortschritt deines Abmossvorgangs anzuschauen.
Schritt 5: Feuchtigkeit kontrollieren
Über die nächsten Wochen solltest du:
- das Moos regelmäßig kontrollieren
- bei Bedarf durch kleine Öffnungen nachfeuchten
- direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, um Überhitzung zu verhindern
Schritt 6: Warten, bis Wurzeln erscheinen
Je nach Baumart dauert es 4–12 Wochen, bis sich ausreichend Wurzeln gebildet haben. Sobald du ein dichtes, weißes Wurzelgeflecht siehst, ist der richtige Zeitpunkt gekommen.

Schritt 7: Abtrennen und Einpflanzen
- Schneide den Stamm unterhalb der neuen Wurzeln ab.
- Entferne vorsichtig die Folie.
- Du kannst einen Teil des Mooses an den Wurzeln lassen.
- Pflanze den neuen Bonsai in ein gut drainiertes Substrat.
- Stelle ihn zunächst halbschattig und halte das Substrat gleichmäßig feucht.


Schritt 8: Pflege nach dem Abmoosen
In den ersten Wochen braucht der junge Bonsai:
- Schutz vor direkter Sonne
- gleichmäßige Feuchtigkeit
- keine Düngung (erst nach 6–8 Wochen)
Nach einigen Monaten kannst du mit der Gestaltung beginnen.

Durch das Abmoosen lässt sich im Vergleich zur Aufzucht aus Samen eine enorme Menge Zeit sparen, oft viele Jahre, sodass man deutlich schneller einen gestaltbaren Bonsai in den Händen hält. Wenn du dich für alle Optionen, wie man als Anfänger zu einem Bonsai kommt, interessierst, empfehle ich dir den Artikel: Bonsai kaufen oder selbst ziehen? Die besten Möglichkeiten für Einsteiger erklärt
Nicht alle Arten lassen sich gut abmossen, hier eine kleine Übersicht ob sich der Eingriff bei deinem Bonsai lohnt:
Arten, die sich gut abmoosen lassen
Diese Baumarten reagieren zuverlässig auf Abmoosen und bilden meist schnell neue Wurzeln:
Laubbäume (sehr gut geeignet)
- Ahorn (Acer palmatum, Acer buergerianum)
- Ulme (Zelkova, Ulmus)
- Hainbuche (Carpinus)
- Buche (Fagus)
- Birke (Betula)
- Feige / Ficus-Arten
- Linde (Tilia)
- Apfel & andere Obstbäume (Malus, Prunus)
- Weide (Salix)
- Liguster (Ligustrum)
Nadelbäume (bedingt geeignet)
- Lärche (Larix) – funktioniert gut
- Eibe (Taxus) – möglich, aber langsam
- Kiefer (Pinus) – selten erfolgreich, aber nicht unmöglich
Arten, die sich eher schlecht abmoosen lassen
Diese Arten bilden nur schwer oder sehr langsam neue Wurzeln, weshalb Abmoosen oft scheitert:
Schlecht geeignet
- Wacholder (Juniperus) – sehr geringe Erfolgsquote
- Zypresse / Scheinzypresse (Chamaecyparis)
- Fichte (Picea)
- Tanne (Abies)
- Eukalyptus
- Ginkgo – extrem schwierig
Fast unmöglich
- Kiefern mit dickem, altem Stamm
- Sehr harzreiche Nadelbäume
- Arten mit extrem hartem, dichtem Holz
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Interessierst du dich für weitere essentielle Bonsaitechniken, dann schau dir gerne doch gleich noch meinen Artikel über Root-over-Rock: So lässt du deinen Bonsai eindrucksvoll über einen Stein wachsen an.